#WritingFriday Woche 3: Die Flucht
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Die Flucht

#WritingFriday Woche 3

Es ist Freitag und somit Zeit für eine weitere Runde #WritingFriday. Diese Aktion wird von Elizzy von Read Books and fall in Love veranstaltet. Alle Infos und die Schreibthemen für Januar habe ich hier auch noch einmal für euch zusammengefasst.

#WritingFriday Woche 3: Die Flucht
Quelle: Read Books and fall in Love

Die Flucht

Weihnachten und Neujahr sind vorbei, bei den Menschen ist der Alltag wieder eingekehrt. Auch bei der Familie, bei der ich noch vor Kurzem das Wohnzimmer abends mit meiner Lichterkette in ein heimeliges Licht tauchte. Aber jetzt, jetzt stehe ich hier auf der Terrasse, hier und da noch ein bißchen Lametta im Grün und mir ist kalt. Drinnen war es immer so gemütlich. Kalt ist mir aber auch noch aus einem anderen Grund: so langsam droht mir der schlimmste Tag im Leben eines Weihnachtsbaums: das Einsammeln und die Vernichtung. Davor graust es mir. Durch die Hecke sehe ich, dass auf der Straße auch schon Weihnachtsbäume liegen. Wahrscheinlich aus Mehrfamilienhäusern, die keine eigene Terrasse haben. Ich bin ja momentan noch auf der Terrasse. Allerdings, wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht auch nicht mehr lange. Eine Flucht wäre gut. Ich möchte so gern noch ein bißchen was von der Welt sehen, bevor ich sterbe. Vielleicht finde ich ja auch einen schönen Wald und kann dort noch eine Weile stehen. Das wäre schön. So langsam beginnt ein Plan in mir heranzureifen und auch der Entschluss steht fest: ich haue hier ab. Heute Nacht mache ich mich auf den Weg. Dann falle ich auch nicht so auf. Vielleicht schaffe ich es sogar bis zu dem Wald hier in der Nähe. Dort falle ich bestimmt nicht so sehr auf, wenn ich mal eine Pause brauche. Vielleicht kann ich ja sogar den einen oder anderen Kumpel, der schon auf der Straße liegt motivieren, mitzukommen. Diese Entsorgung ist doch blöd. Das verstehe ich sowieso nicht bei den Menschen: erst wollen sie einen haben und plötzlich ist dann alles vorbei. Da ist mein Plan mit der Flucht doch allemal besser – und selbst, wenn er schief läuft, kann ich mir wenigstens nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Heute Nacht ist es soweit, wenn die Familie die Rollläden heruntergelassen hat und nicht rausschaut, entschliesse ich mich. Bis dahin ruhe ich mich noch ein bißchen aus.

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